Genüsslich las ich ungestört täglich die Tageszeitung, verfolgte mehr und mehr die Politik;
Wie sich zu diesem Problem stellen? Wie sich mit ihm auseinander setzen? Sollte man das überhaupt tun?
Die größte Befürchtung war, meine doch recht ausgeprägte Rechtschreibsicherheit zu verlieren.
Irgendwann begann ich dann, möglichst viele Menschen meiner Umgebung, deren Meinung mich interessierte,
Als nächster Gesprächspartner fiel mir mein Hausarzt ein, den ich leider sehr häufig aufsuchen muss.
Bei meinem folgenden Gegenüber handelte es sich um einen mir seit Jahren bekannten,
Diesmal handelte es sich wieder um ein Telefonat mit der Redaktion einer Zeitung.
Zufällig las ich am nächsten Tag folgende Überschrift eines Zeitungsartikels:
© Erika Hack
Fast jeder Mensch sehnt sich zwar nicht gerade danach, alt zu werden, aber er hegt doch
den tröstlichen Gedanken, als Rentner endlich über viel Freizeit zu verfügen, um all die Dinge
tun zu können, die er immer schon hatte tun wollen. Ich z.B. hatte u.a. stets schmerzlich vermisst,
nie in Ruhe lesen zu können. Auf einmal war es dann so weit. Ich war Rentnerin!
registrierte aber auch Rechtschreib- und grammatische Fehler und verglich unterschiedliche Ausdrucksweisen.
Womit ich aber nicht behaupten will, selbst nie Fehler dieser Art zu begehen. So ergab es sich,
dass mir im Januar 2001 die Zeitungsanzeige der Frau Schreiner auffiel. Erstmals im Leben ging ich
einer Annonce nach und nehme seit Gründung der Literaturstation im Alten Langenfelder Bahnhof an den
monatlichen Treffen teil; mit wachsendem Interesse! Da ich mehr am Zuhören, Vergleichen,
eventuell auch Kritisieren interessiert war, wurde ich irgendwann gebeten, hier und da Korrektur zu lesen.
Ich übernahm diese Aufgabe gern. Leider trat dann aber ein großes, ärgerliches Hindernis auf,
dessen Bewältigung mich seitdem mehr oder weniger intensiv beschäftigt.
Nämlich: die deutsche Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996!
Obwohl ich nicht nur einmal folgenden Satz hörte, den ich, in jeweils etwas abgewandelter Form,
bis an mein Lebensende sicher nicht vergessen werde: 'Sie, in Ihrem vorgerückten Alter, wollen sich d a s
noch antun?' Ich begann dennoch, mir d a s anzutun, obwohl meine Verunsicherung zugenommen hatte.
Im Laufe des Jahres verminderten sich diese Bedenken etwas. Ich stellte allerdings zu meinem größten
Erstaunen fest, dass ich so hier und da Neuerungen übernahm - und das konsequent,
mit derselben Sicherheit und Konsequenz, erstaunlicherweise - die sich bisher bezüglich der alten
Schreibweise gezeigt hatte. Ich befand mich also schon in einer 'Mischform' sozusagen.
Wie geartet diese auch immer sein mochte! Mischformen stellte ich auch in diversen Zeitungen,
speziell in der meinen, fest. Durch viel aufmerksameres Lesen registrierte ich aber auch immer mehr,
teilweise gravierende Rechtschreibfehler; unabhängig von alter oder neuer Schreibweise.
Und ich kann leider nicht umhin, das für mich erschreckendste Beispiel aus letzter Zeit hier anzuführen.
Auf der zweiten Seite meiner Zeitung, die dort die täglich wichtigsten politischen Ereignisse berichtet,
stand unter dem Bild unseres Kanzlers fett gedruckt: Das M i n e n s p i e 1 des Kanzlers drückte Zweifel aus!
Wieder einmal - und diesmal besonders emotionsgeladen - fragte ich mich, wie ein Rentner,
mit vielleicht nur mangelhafter Schulbildung sogar, seine Briefadressen z.B. korrekt schreiben könne,
wenn in seiner meist einzigen Lektüre, der täglichen Zeitung nämlich, immer wieder Schreibfehler auftauchen?
Inzwischen stand nun schon der neue Rechtschreibduden in meinem Bücherschrank; der zweite sogar,
aus dem Jahre 2001. Der erste nämlich, aus dem Jahre 1996, war schon wieder etwas verändert worden.
Die nach der lästigen, anstrengenden Hausarbeit unvermeidlichen Rentnerruhepausen tagsüber
kann man ja gut durch Lesen nutzbringend gestalten. Und dafür muss der Rechtschreibduden griffbereit dastehen.
Es stellt sich nur die schwierige Frage: Welcher Duden?
in Gespräche über Sinn oder Unsinn der Rechtschreibreform zu verwickeln. Einige Meinungen möchte ich hier
nicht unerwähnt lassen.
Als erste Gesprächspartner boten sich meine zwei jüngeren, stets kritikfreudigen, und in diesem Falle
äußerst skeptischen Kinder an. Skeptisch, da es mich im Zusammenhang mit dieser schwierigen Thematik betraf.
Beide sind in den Medien beschäftigt, überwiegend sogar mit Korrespondenz. Der erste Satz meines Sohnes
begann wie folgt: 'Wenn du unbedingt damit auch noch anfangen willst…!'
Irgendwie kam mir dieser Wortlaut schon bekannt vor. Anlässlich seines nächsten Besuches
schenkte er der alten Mutter allerdings ein Heftchen, das ich sehr empfehlen kann.
Es ist übersichtlich und kurz gefasst und liegt seitdem zuoberst auf dem Nachttisch:
Das 1x1 der deutschen Rechtschreibreform, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für deutsche
Sprache e.V. (GfdS), Kostenpunkt damals DM 5,-.
Die Kritik der Tochter hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen.
Im Anschluss an die übliche Besprechung der Laborergebnisse zeigte er sich sehr interessiert
an dem sprachlichen Thema. Seine Sprösslinge hatten ihn schon mehrmals damit konfrontiert.
Für sich selbst hatte er beschlossen, bei der alten Schreibweise zu bleiben. 'Eine derartige
Veränderung müsse sich per se langsam entwickeln!' So seine Meinung, die mich ungemein erfreute,
da sie der meinen entspricht. Von ihm hörte ich erstmalig, dass die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
einige Zeit lang völlig nach der Reform gedruckt, es dann aber wieder restlos rückgängig gemacht hätte.
Also kaufte ich mir gleich auf dem Rückweg eine Ausgabe der FAZ und las die erste Seite, gründlichst natürlich!
Ich entdeckte keinen einzigen Rechtschreibfehler und keinerlei Abweichung von der alten Schreibweise.
Es folgte ein Telefonat mit einem der Redakteure, das sehr interessant für mich war.
Man beantwortete alle meine Fragen sehr höflich und gründlich. Man bestätigte die Angaben meines Arztes.
'Auf Grund vieler Leserreklamationen, und auch aus eigener, gesammelter Erfahrung und Überzeugung
drucke man aber schon seit längerer Zeit wieder konsequent nach der alten Schreibweise.'
Man sagte sogar, dass viele Schriftsteller die Reform als nicht durchführbar und unlogisch darstellten.
Ihres Wissens würden nur Kinder- und Jugendbücher der Reform entsprechend gedruckt.
Meine Buchhändlerin bestätigte mir diese letzte Aussage. Sie selbst zeigte sich auch nicht
allzu begeistert von den Neuerungen.
pensionierten Journalisten. Ein äußerst intelligenter und extrem kritischer Mensch,
dessen große Liebe weiterhin der Schreiberei zu gelten scheint. Seine Meinung war mir besonders wichtig!
Er also schreibt bisher in einer Art Mischform. Ein völlig korrektes, 1oo-prozentig richtiges,
plötzliches Übernehmen aller Neuerungen hält er für unmöglich. Er riet mir, 'Die Zeit' zu lesen,
da diese Zeitung seiner Meinung nach die beste Mischform biete. Ohne Duden käme er nicht aus.
Leider vergaß ich zu fragen, welchen Duden er meinte. Anlässlich eines nächsten Treffens
werde ich das unbedingt nachholen! Dieses Gespräch verminderte meine Verunsicherung erheblich,
und ich konnte auf diese Weise das nächste Gespräch gelassener angehen.
Meine Fragen wurden recht ausweichend beantwortet, wenn überhaupt. 'Es habe schon andere
Reklamationen gegeben. Man würde strikt nach der Reform drucken!'
Als ich anlässlich dieser Aussage meine Zweifel anbrachte, auch noch auf Rechtschreibfehler
hinwies, verwies man mich auf die Möglichkeit schriftlicher Eingaben. Damit endete für mich
nicht nur dieses, sondern bis auf weiteres auch andere Gespräche über dieses wahrlich emotionsgeladene Thema.
Die Nummer gegen Rechtschreibkummer! Und siehe da, es handelte sich um die telefonische
Duden-Sprachberatung. Es beruhigte ungemein, dort über die Vielzahl Rat suchender Anrufer,
und vor allem über die Art ihrer Fragen zu lesen. Noch mehr beruhigte es mich,
dass z.B. über die Schreibweise des Wortes 'insonderheit' zunächst eine falsche Auskunft
erteilt worden war. Nämlich: 'Die Schreibweise habe sich nicht geändert!'
Nach nochmaliger Rückfrage hatte man aber zugegeben, sich geirrt zu haben.
'Da ist uns ein Fehler unterlaufen. Neue Schreibweise 'in Sonderheit'. Wir werden das in
unserer Computer-Ausgabe berichtigen!' Es ist irgendwie beruhigend, dass sogar
die Duden-Redaktion einmal irren kann! So lautete der letzte Satz des Zeitungsartikels.
Und diesen möchte ich auch als Schlusssatz meiner Ausführungen benutzen.